In der Hundeverhaltensberatung und auch im „simplen“ Hundetraining kann man rein an den Symptomen arbeiten – das ist aber nicht besonders nachhaltig und im Zweifelsfall verlagert sich das Problem an einfach an einen anderen Ort. Damit vergeudet man also Zeit und seien wir uns mal ehrlich auch einen Haufen Geld.
Viel sinnvoller ist eine ganzheitliche Betrachtung der Situation und die Bekämpfung der Ursache des ungewünschten Verhaltens. Ein viel zu oft vernachlässigter Aspekt ist die Ernährung des Hundes.
Hierzu habe ich mir Aurelia von hundumvital.at als Ernährungsexpertin für Hunde an die Seite geholt. Durch die gesundheitlichen Probleme ihrer Hündin Anna begann sie 2016 sich intensiv mit dem Thema Hundeernährung auseinander zu setzen und ist mittlerweile nach mehreren Ausbildungen und unzähligen Seminaren Expertin in Sachen Hundegesundheit.
Sie war auch so freundlich und hat für euch einen Beitrag dazu geschrieben, wie die Ernährung des Hundes das Verhalten beeinflussen kann:
Was hat Hundeernährung mit dem Verhalten zu tun?
Erhält dein Hund eine gesunde und vor allem artgerechte Ernährung, werden die körpereigenen Zellen gut versorgt und dein Hund hat weniger Stress. Bekommt dein Hund nicht das, was für seinen individuellen Körper passt, äußert sich das in Stress. Die Folge sind neben körperlichen Symptomen auch eine reduzierte Impulskontrolle, beeinträchtigte kognitive Fähigkeiten, Reaktivität, Hyperaktivität und vieles mehr.
Verhaltensprobleme wegfüttern?
Sicher nicht, das wäre zu schön.
Aber eine Einflussnahme auf das Verhalten deines Hundes und somit ein Öffnen der Türe für weitere Trainingsschritte ist durch eine Umstellung der Ernährung auf die individuellen Bedürfnisse deines Hundes auf jeden Fall möglich.
Meine Aufgabe als Ernährungsberaterin ist es, den Verbindungspunkt zwischen Verhalten, Ernährung und äußerlichen Einflüssen zu finden.
Erkrankungen, Stress, das Umfeld deines Hundes oder besondere Umstände (Umzug, eine Veränderung in den Lebensumständen deines Hundes wie z.B. Schwangerschaft, Trauer um den geliebten Hundefreund,…) können das Verhalten deines Hundes beeinflussen. All diese Punkte können sich in dem Verhalten deines Hundes wiederspiegeln und all diese Punkte können durch die richtige Ernährung beeinflusst werden.
Ein kleiner Ausflug zum Irrtum
Der Ausflug führt uns zum Protein. Für viele Hundehalter*innen ist ein hoher Gehalt an Protein gleichbedeutend mit einem qualitativ hochwertigen Futter.
Doch ist das so?
Nein.
Eiweiß, oder eben Protein, ist in jeder Körperzelle vorhanden und dadurch eine essenzielle Komponente der Ernährung. Je hochwertiger das Eiweiß ist, desto weniger braucht dein Hund davon.
Roger Mugford untersuchte den Einfluss von Eiweiß auf das Verhalten von Hunden erstmals wissenschaftlich. Er wies nach, dass eine Reduktion des Proteingehalts der Gesamtration auf 15 bis 18 Prozent zu weniger aggressivem Verhalten bei Hunden führt. Mugfords Untersuchungen bestätigten die Vermutung, dass vor allem bei territorialer Aggression eine Besserung des Verhaltens durch Futterumstellung erzielt werden kann (Mugford 1987).
Und heißt das jetzt, dass ich meinem Hund nur mehr max. 18 Prozent Protein füttern darf, da ansonsten eine territoriale Aggression droht?
Nein, natürlich nicht. Es heißt, dass, wenn ich als Hundeernährungsberaterin mit einem neuen Kunden spreche, ich mir genauso die Verhaltenseckpunkte ansehe. Bei einem Futterplan eines territorialen Hundes werde ich eine andere Nährstoffverteilung wählen, auf besonders hochwertige Proteinquellen achten und den Grundbaustein des Glücks einbauen.
Der Grundbaustein zum Glück ist eine Aminosäure
Die essenzielle Aminosäure Tryptophan ist spannend, weil sie der Grundbaustein für die Glücksdroge schlechthin ist. Tryptophan ist ein wesentlicher Baustein von Serotonin. Serotonin ist ein Glückshormon, das als Belohnung ausgeschüttet wird und hilft Depressionen zu lindern, Aggressionen hemmt und stimmungsaufhellend wirkt.
Tryptophan ist vor allem in Edamer, Erdnüssen, Hühnchen, Eiern, Rindfleisch, Thunfisch, Haferflocken und Topfen (Quark) enthalten.
Also füttern wir bei verhaltensauffälligen Hunden einfach ganz viel Futter mit Tryptophan?
So einfach ist es leider nicht. Wichtig zu wissen ist, dass nicht der Gesamtanteil von Tryptophan im Körper zählt, sondern wie groß der Unterschied zu den anderen Aminosäuren ist. Das heißt je größer der Unterschied ist, desto eher wird das Verhalten beeinflusst.
Außerdem muss unbedingt zusätzlich eine Kohlenhydratquelle gefüttert werden, denn nur in Verbindung mit Kohlenhydraten kann Serotonin gebildet werden.
Zudem werden für die Serotoninbildung auch B-Vitamine und Magnesium benötigt.
Das Wichtigste zum Schluss
Es ist wichtig zu wissen, dass Ernährung den Charakter des Hundes positiv als auch negativ beeinflussen kann, aber nicht immer muss.
Ein artgerechtes Futter muss zum Hund, ihren/seinen psychischen und psychischen Bedürfnissen und auch zum Menschen passen!

Aurelia ist ausgebildete Hundeernährungsberaterin, Naturheilkundeberaterin und Hunde-Fitnesstrainerin. Die 14jährige Mischlingshündin Anna hat chronische Nierenprobleme, die der ausschlaggebende Punkt für Aurelia waren, sich intensiv mit der Hundegesundheit auseinanderzusetzen. Mittlerweile berät sie unter hundumvital.at Hundebesitzer zu den verschiedensten Fragen und gibt auf ihrem Instagramkanal @hundumvital spannende Einblicke ins Thema.

Ein Kommentar zu “Was hat Hundeernährung mit dem Verhalten zu tun?”