Mein Trainings-Manifest

Mal ehrlich: Hundetrainer*innen gibt es wie Sand am Meer.

Die einen spezialisieren sich auf einen Hundesport oder einen bestimmten Rassetypen. Die anderen arbeiten mit Hunden, die bestimmte Verhaltensweisen aufzeigen.

Jede*r hat eigene Überzeugungen und arbeitet auf eine ganz eigene Art und Weise. Auch ich habe meine ganz persönliche Einstellung zu Hundethemen und vor allem dem Training mit Mensch-Hund Teams.

Wie die aussieht? Lies einfach weiter:

1. Jeder Hund und jeder Mensch ist einzigartig

Jeder Mensch und jeder Hund hat seine ganz eigene Persönlichkeit. Eigene Erfahrungen, Vorlieben und Bedürfnisse (und eine gewisse Prise Genetik) machen jedes einzelne Lebewesen zu etwas ganz Besonderem.

Die Schönheit und gleichzeitig auch die Herausforderung im Hundetraining liegt darin, gleich mehreren einzigartigen Lebewesen entgegenzukommen, sie zu verstehen und mit ihnen an ihren Zielen zu arbeiten.

2. Es geht auch in nett

Ich bin bekennende Vertreterin des positiven Hundetrainings.

Mir ist bewusst, dass im Alltag nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen ist und der Hund sich durch den Menschen auch mal erschreckt oder unwohl fühlt. Allerdings bin ich felsenfest davon überzeugt, dass es absolut nicht notwendig ist, Strafe bewusst im Training einzusetzen, um erwünschtes Verhalten zu bekommen.

3. Der Hund muss erstmal gar nichts

Unsere Hunde haben sich nicht ausgesucht, dass sie bei uns Leben. Sie sind uns also nichts schuldig. Ganz im Gegenteil.

Wir sind ihnen eine liebevolle, verständnisvolle Umgebung schuldig, in der wir uns ihnen – zumindest soweit es möglich ist – anpassen und auf ihre hündischen Bedürfnisse eingehen.

(Das bedeutet natürlich nicht, dass wir einen Hund mit hoher jagdlicher Motivation einen Hasen hinterherhetzen lassen sollen. Es gibt verschiedene Wege, wie wir die natürlichen Bedürfnisse unserer Hunde befriedigen können, ohne unserer Umwelt zu schaden.)

4. nachhaltiges Hundetraining ist ein Marathon und kein Sprint

Hundetraining ist eine (hunde-)lebenslange Aufgabe.

Wir können weder von unseren Hunden, noch von uns selbst erwarten, dass Verhaltensweisen, die sich über Jahre hinweg festigen, innerhalb von 60 Minuten auf dem Hundeplatz vollkommen auflösen.

Wenn wir unsere Erwartungen dementsprechend anpassen, können wir richtig positiv überrascht werden, anstatt nach kurzer Zeit frustriert das Handtuch zu schmeißen.

5. Hunde sind Familie

Ich unterscheide zwischen Verwandtschaft und Familie. Verwandtschaft ist ein biologischer Begriff, den ich wohl nicht näher erklären muss.

Familie hingegen ist für mich ein Gefühl und kann daher auch jede Lebewesen betreffen, die nicht zur gleichen Spezies gehören wie ich.

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass Hunde ihren Menschen gegenüber ähnlich empfinden wie Kinder bei ihren Eltern (da gibt es sehr interessante Studien dazu!), dann ist schnell klar, welchen Stellenwert die Vierbeiner bei mir einnehmen.

Denn für mich sind Hunde Familie!

6. Das gute Gefühl muss in den Vordergrund

Klar, Training bedeutet oft, dass man sich ein Stück außerhalb der Komfortzone bewegt. Allerdings ist niemandem geholfen, wenn ich Mensch oder Hund in eine Situation bringe, die sich (warum auch immer) einfach ungut anfühlt.

Muss ein Hund, der sich auf dem nackten Boden unwohl fühlt, wirklich unbedingt auf einer Wiese „Platz“ machen? Ich kann ihm auch eine Decke hinlegen, damit er sich lieber ablegt. Oder – wenn ihm das leichter fällt – ein „Sitz“ abfragen.

Genauso ist es wenig sinnvoll, den Menschen dazu zu drängen, den Hund von der Leine zu lassen, wenn er sich nicht wohl dabei fühlt. Hunde können auch an der Schleppleine eine richtig geile Zeit haben – vor allem dann, wenn sich auch der Mensch dabei sicher fühlt.

7. Beim Hundetraining geht es um mehr als nur Verhalten

Beim Wort „Hundetraining“ denken viele wahrscheinlich erstmal an Signale wie „Sitz“,“Platz“ oder „Bei Fuß“.

Allerdings geht es um viel mehr als das! Neben Themen wie Fütterung (denn diese kann auch einen enormen Einfluss auf das Verhalten haben) und Gesundheit, geht es um ganz viele Bedürfnisse von Hund und Mensch, die jongliert werden müssen und einer großen Portion Emotionen (ein großer Teil der Hundehalter*innen trägt die schwere Last der Ängste mit sich herum, wenn es um den Hund geht).

8. Eine sichere Bindung ist der Grundstein für ein glückliches Miteinander

Sich in der Gegenwart des Sozialpartners sicher und gut fühlen ist wohl die Basis für eine gesunde Beziehung. Sowohl zwischen Menschen als auch zwischen Mensch und Hund.

Kein „perfekter Gehorsam“ kann eine sichere Bindung ersetzen und am Ende eines Hundelebens möchte ich lieber auf ein glückliches Miteinander zurückdenken können, als auf ein fehlerfrei ausgeführtes Signal.

9. Kleine Schritte sind auch Schritte

Nicht nur das große Endziel darf gefeiert werden, sondern auch jeder einzelne Schritt dorthin, ganz egal wie klein er ist!

Einem Kind muss man ja auch erst einmal die einzelnen Buchstaben beibringen, dann Worte und dann Sätze. Da wird auch nicht erst die fertig geschriebene Doktorarbeit gefeiert, sondern auch die vermeidlich „kleineren“ Leistungen.

Denn jeder noch so kleine Schritt ist ein Schritt in die richtige Richtung.

10. Hundetraining darf Spaß machen

Wer behauptet, dass Hundetraining nur mit Druck (egal, ob dem Hund oder dem Menschen gegenüber) funktioniert, der lügt – oder weiß es einfach nicht besser.

Viel zu oft höre ich noch von Trainern, die über den Platz brüllen und sowohl Hund als auch Halter*in klein machen. (Manchmal, wenn ich an der einen oder anderen Hundeschule vorbeigehe, höre ich es direkt und es gruselt mich jedes mal wieder…)

Hundetraining darf Spaß machen – das ist auch einer der Gründe, warum ich Vertreterin des positiven Hundetrainings bin. Denn wer Freude am Lernen hat, der lernt nicht nur mit einem guten Gefühl, sondern auch nachhaltig!

Das sind meine Überzeugungen zu den Themen Hund und Training. Stimmst du mir in allen 10 Punkten überein oder hast du zu einem Punkt eine andere Meinung? Schreibe es in die Kommentare!

Ein Kommentar zu “Mein Trainings-Manifest

  1. Du hast so recht mit Punkt 5 (mit allen anderen natürlich auch), aber Punkt 5 fiel mir besonders ins Auge: Sie gehören zur Familie! Auch wenn wir nicht zur selben Spezies gehören, ist mein Hund so ein wichtiger Teil in meinem Leben! Ich genieße jede Minute mit ihr und sie hoffentlich auch mit mir, denn wie du schon sagst, sie haben sich nicht ausgesucht, bei uns zu leben, wir haben sie einfach mitgenommen und in eine völlig neue Lebenssituation gesetzt. Aber manchmal glaube ich, das sollte alles so sein! Wir sind ein Team und gehören zusammen 🙂

    Liebe Grüße
    Jana

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