(Spoiler: Es ist keine Methode)
„Ich trainiere positiv.“
Diesen Satz hört man mittlerweile ziemlich oft. In Hundeschulen, auf Social Media, in Podcasts.
Aber was heißt das eigentlich genau?
Und warum ist positives Hundetraining keine Methode, die man einfach „anwenden“ kann? Sondern eine Haltung, eine innere Einstellung dem Hund gegenüber?
Ich erzähl’s dir.
Kein „Ich mache das so, weil’s bei anderen klappt“
Viele Menschen denken, positives Hundetraining bedeutet: Ich arbeite mit Leckerchen, also bin ich positiv.
Aber das greift zu kurz. Viel zu kurz.
Denn ein Stück Käse im richtigen Moment macht aus einer unfairen Trainingssituation noch lange kein faires Training.
Positives Hundetraining ist keine Sammlung von Tricks, kein Regelbuch und auch kein Dogma.
Es ist eine Art, den Hund zu sehen.
Es ist die Entscheidung, auf Strafe, Einschüchterung und absichtliches Scheitern zu verzichten. Und stattdessen Vertrauen und Motivation in den Mittelpunkt zu stellen.
Wir bringen den Hund nicht absichtlich in Schwierigkeiten
Ein klassisches Beispiel, das ich leider oft sehe:
Ein Hund reagiert unsicher oder bellend auf andere Hunde.
Dann wird im Training ganz bewusst ein anderer Hund in Sichtweite gebracht – und man wartet, bis der eigene Hund „ausrastet“, um ihn dann zu korrigieren oder abzulenken.
Das ist kein Lernen. Das ist Stress. Für alle Seiten.
Und es ist unfair.
Im positiven Training machen wir das anders.
Wir stellen den Hund nicht absichtlich vor Aufgaben, die er (noch) nicht bewältigen kann.
Denn jedes Mal, wenn er scheitert, verknüpft er:
„Andere Hunde = blödes Gefühl“
Stattdessen fragen wir:
Wie können wir es ihm leichter machen?
Wie können wir die Distanz, den Rahmen und die Situation so gestalten, dass er sich sicher fühlt – und etwas lernen kann, statt zu kämpfen?
Belohnen, bevor’s zu schwierig wird
Ein wichtiger Punkt (und der, der oft den größten Aha-Moment bringt):
Wir warten nicht, bis der Hund etwas „Falsches“ zeigt, um es dann zu korrigieren.
Wir achten auf das, was richtig läuft – und bestärken das!
Bleiben wir beim Beispiel der Hundebegegnungen:
Dein Hund sieht einen anderen Hund. Seine Ohren gehen nach vorne, er atmet vielleicht etwas schneller – aber er bleibt ruhig. Er springt weder in die Leine, noch brüllt er sich die Seele aus dem Leib.
Das ist dein Moment!
Genau dieses Verhalten wollen wir haben: die Ruhe, das Nachdenken, das Aushalten.
Und genau das wird belohnt.
So lernt dein Hund:
„Wenn ich ruhig bleibe, fühlt sich das gut an!“
Das ist kein „Bestechen“.
Das ist Lernen über positive Verstärkung – der nachhaltigste Weg, Verhalten zu verändern.
Positive Haltung heißt Verantwortung übernehmen
Positives Hundetraining heißt nicht:
„Der Hund darf machen, was er will.“
Es heißt:
„Ich übernehme Verantwortung dafür, dass mein Hund versteht, was ich mir wünsche – und dass er die Chance hat, es richtig zu machen.“
Wir gestalten Situationen also so, dass unser Hund Erfolg haben kann.
Das ist kein Zufall, sondern Planung.
Wir überlegen:
- Wie kann ich meinem Hund helfen, ruhig zu bleiben?
- Wie kann ich ihn unterstützen, bevor er überfordert ist?
- Wie kann ich Training so aufbauen, dass er gern mitmacht?
Und das Tolle ist: Wenn wir so denken, verändert sich nicht nur das Verhalten des Hundes, sondern wir verändern uns auch.
Wir werden ruhiger, klarer, empathischer.
Wir lernen, unsere Erwartungen anzupassen und Fortschritte zu feiern, die man früher vielleicht gar nicht bemerkt hätte.
Und was ist mit Konsequenzen?
Diese Frage kommt ja fast immer.
Und ja, auch im positiven Training gibt es Konsequenzen.
Aber: Konsequenzen sind nicht gleich Strafe.
Eine Konsequenz kann auch heißen:
- Wir vergrößern die Distanz, wenn dein Hund sich unwohl fühlt.
- Er bekommt eine kleine Pause, wenn er überfordert ist.
- Oder wir nehmen den Hund freundlich aus einer Situation, die noch zu schwer ist.
Es geht also nicht darum, etwas „durchzusetzen“, sondern darum, aus jeder Situation etwas Lernbares zu machen – ohne Angst, ohne Druck, ohne Bruch im Vertrauen.
Was dein Hund dabei lernt
Ein Hund, der positiv trainiert wird, lernt:
„Ich kann meinem Menschen vertrauen. Er achtet auf mich. Er sieht, wenn’s mir schwerfällt. Und hilft mir, statt noch mehr unangenehme Gefühle auszulösen.“
Das ist der Moment, in dem aus Training echte Beziehung wird.
Und das ist der Kern von allem, was wir tun:
Wir wollen nicht, dass Hunde „funktionieren“.
Wir wollen, dass sie sich sicher fühlen, verstanden werden und gemeinsam mit uns wachsen.
