Ein Welpe zieht ein

So gelingt euch ein entspannter Start ins gemeinsame Leben

Welpen sind knuffig, flauschig, lustig, süß … und manchmal ganz schön anstrengend.

Wenn ein Welpe bei dir einzieht, beginnt eine unglaublich spannende Zeit. Voller Vorfreude, Pläne und Erwartungen. Und gleichzeitig ist da dieses kleine Wesen, das gerade seine gesamte bisherige Welt hinter sich gelassen hat und ins große Unbekannte gesetzt wird.


Damit euer Start ins Zusammenleben möglichst entspannt, sicher und fair für euch beide gelingt, findest du hier eine umfassende Orientierungshilfe für die ersten Wochen mit deinem Welpen.

Zwei wichtige Gedanken vorab

1. Jeder Welpe ist ein Individuum

So sehr wir Menschen uns einen klaren Fahrplan wünschen:
Den gibt es beim Welpen leider (oder zum Glück) nicht.

Jeder Hund bringt sein eigenes Temperament, seine eigenen Erfahrungen und seine eigene Sensibilität mit. Manche Welpen sind eher vorsichtig und brauchen viel Zeit, Sicherheit und Unterstützung. Andere wirken von Anfang an cool, neugierig und erstaunlich entspannt.

Beides ist völlig in Ordnung.

Alle Tipps und Empfehlungen in diesem Beitrag sind deshalb keine starren Regeln, sondern eben Orientierungshilfen, die du immer an deinen Welpen anpassen darfst und auch sollst.

2. Erwartungshaltung: Bitte etwas tiefer stapeln

Heutzutage stehen viele Hundehaltenden unter ziemlich großen Druck.

Der Hund soll möglichst früh (am besten gleich) „funktionieren“. Er soll also gut erzogen sein, nichts kaputt machen, niemanden anspringen und am besten schon mit wenigen Wochen oder Monaten perfekt hören.

ABER:

  • Ein Welpe ist kein fertiger Hund. („Fertig“ sind Hunde ja sowieso nie)
  • Entwicklung braucht einfach seine Zeit.
  • Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Dein Welpe darf Fehler machen. Er darf überfordert sein. Und du darfst lernen, ihn dabei zu begleiten.

Ankommen lassen: Die ersten Tage sind keine Trainingszeit

Für dich ist der Einzug deines Welpen ein freudiges Ereignis.
Für ihn ist es erst einmal ein riesiger Umbruch.

Er wird (für ihn völlig überraschend) aus seinem gewohnten Umfeld gerissen:
seine Mutter, seine Geschwister, vertraute Menschen, Gerüche und Geräusche sind plötzlich weg.

So anpassungsfähig Hunde auch sind:
Jetzt braucht dein Welpe vor allem eines: Zeit und Sicherheit.

Was jetzt wichtig ist:

  • keine langen Spaziergänge
  • kein Besuch in den ersten Tagen
  • keine Reizüberflutung

Lass deinen Welpen zunächst sein neues Zuhause kennenlernen.
Wenn du einen Garten hast: kurze, ruhige Ausflüge dorthin.
Wenn ihr in einer Wohnung lebt: kleine Strecken in direkter Umgebung und dann wieder rein.

Verbringe möglichst viel ruhige Zeit mit deinem Welpen und biete ihm Körperkontakt an, ohne ihn zu bedrängen.

Vorbereitung ist alles: Welpensicher wohnen

Welpen haben ein enormes Kaubedürfnis. Das ist völlig normal.
Deshalb solltest du dein Zuhause vor dem Einzug gut vorbereiten:

  • Kabel sichern
  • Schuhe wegräumen
  • giftige Pflanzen entfernen
  • Kleinteile außer Reichweite bringen

Statt ständig „Nein“ zu sagen, ist es sinnvoller, deinem Welpen passende Alternativen anzubieten:

  • Kauartikel
  • Welpensicheres Spielzeug
  • robuste Kauspielzeuge

So schützt du nicht nur deine Einrichtung, sondern auch deinen Welpen.

Stubenreinheit: Geduld schlägt Strenge

Dein Welpe weiß nicht automatisch, dass er sich draußen lösen soll.
Besonders Welpen, die in der kühleren (und vor allem dunkleren) Jahreszeit einziehen, tun sich damit oft schwer.

Draußen ist einfach unglaublich viel los Gerüche, Geräusche, Eindrücke. Da geraten selbst dringende Bedürfnisse schnell in Vergessenheit. Und passieren dann doch drinnen.

Das hilft:

  • suche dir einen festen Löseplatz draußen
  • bring deinen Welpen regelmäßig dorthin
  • besonders nach:
    • Schlafen
    • Fressen
    • Spielen
    • Kreiseln oder intensivem Schnüffeln

Löst sich dein Welpe draußen: ruhig loben. Keine Party, kein Überschwang.

Passiert drinnen ein Missgeschick?
Bitte niemals bestrafen.

Das schadet nur eurer Beziehung. Dein Welpe macht das nicht aus Trotz. Oft kann er es körperlich einfach noch nicht kontrollieren.

Tipp: Bleib nachts in der Nähe deines Welpen. So merkst du früh, wenn er unruhig wird, und kannst rechtzeitig reagieren.

Wenn du dich genauer mit dem Thema Stubenreinheit beschäftigen willst, lade dir das 0€ eBook „Endlich stubenrein“ runter.

Beißhemmung lernen: Zähne mit Köpfchen einsetzen

Die Fähigkeit, die eigenen Zähne kontrolliert einzusetzen, ist nicht angeboren.
Beißhemmung muss gelernt werden. Und das in den ersten Lebensmonaten.

Ja, die spitzen Milchzähne tun weh.
Und ja, das kostet manchmal Nerven.

Wichtig:

  • nicht ausflippen
  • nicht bestrafen
  • Interaktion ruhig beenden, wenn es zu grob wird

Behalte das Erregungsniveau deines Welpen im Blick. Oft hilft es, frühzeitig Alternativen anzubieten:

  • Plüschtier
  • Pappe zum Schreddern
  • geeignete Kauartikel
  • gefüllte KONG®-Spielzeuge

Kauen, Lecken und Schnüffeln wirken beruhigend. Besonders im Zahnwechsel sind sie für dich und deinen Hund ein echter Segen.

Grenzen setzen. Freundlich. Fair.

Dein Welpe stößt jeden Tag auf Grenzen:

  • Türen sind zu
  • er ist angeleint
  • er darf nicht alles selbst entscheiden

Das kann frustrierend sein. Deshalb gilt:
So wenig Grenzen wie möglich, so viele Wahlmöglichkeiten wie sinnvoll.

Statt ständig zu sagen, was dein Welpe nicht darf, frage dich:
Was soll er stattdessen tun?

Erwünschtes Verhalten zu belohnen ist oft der nachhaltigste Weg.
So bleibt dein Hund gerne im „grünen Bereich“, ganz ohne harte Korrekturen.

Sozialisation: Qualität vor Quantität

Ja, dein Welpe soll die Welt kennenlernen.
Nein, er muss dafür nicht täglich an den Bahnhof oder auf jede Hundewiese.

Gute Sozialisation bedeutet:

  • positive Erfahrungen
  • Sicherheit spüren
  • verlässliche Begleitung durch dich

Du darfst deinen Welpen schützen.
Du darfst Menschen und Hunde auf Abstand halten.
Du darfst eine Sicherheitszone für ihn schaffen.

Wichtig: Neue Eindrücke sind anstrengend. Plane deshalb unbedingt Ruhephasen und Erholungstage ein.

Brustgeschirr und Leine: Schonend unterwegs

Ein gut sitzendes Brustgeschirr ist für Welpen deutlich angenehmer als ein Halsband.
Der empfindliche Halsbereich wird geschont, und dein Welpe kann sich freier bewegen.

Empfehlenswert ist außerdem:

  • eine 3–5 Meter lange, leichte Leine
  • mehr Bewegungsfreiheit
  • weniger Frust für euch beide

Lockeres Laufen an kurzer Leine erfordert extrem viel Impulskontrolle. Das ist für Welpen einfach noch zu schwer.

Management: Dein bester Freund im Alltag

Management bedeutet, Situationen so gestalten, dass Probleme gar nicht erst entstehen.

Hier ein paar Beispiele:

  • Der Welpe jagt Insekten? Leine ihn an.
  • Gegenstände werden zerstört? Räume sie weg.
  • Das Katzenklo wird geplündert? Mach ein Kindergitter drumherum.
  • Das Tischbein wird angeknabbert? Gib dem Hund eine erlaubte Kaualternative.

Das ist kein „Schummeln“, sondern kluges Vorausdenken.

Welpen und Kinder: Sicherheit für alle

Kind und Hund dürfen NIEMALS unbeaufsichtigt zusammen sein.

Die allerwichtigsten Regeln für Kinder:

  • Ruheplatz des Hundes ist tabu!
  • Den Hund beim Fressen oder Kauen nicht stören!

Gleichzeitig braucht auch der Hund klare Regeln.
Ein respektvolles Miteinander schützt alle Beteiligten und beugt Beißvorfällen vor.

Ruhe lernen: Die unterschätzte Superkraft

Welpen brauchen unglaublich viel Schlaf.
Mehr, als viele denken.

Erwachsene Hunde brauchen ca. 18 Stunden Ruhe am Tag.
Welpen in der Regel noch viel mehr. Sogar bis zu 22 Stunden am Tag.

Spielen können sie von selbst.
Runterfahren müssen sie lernen.

Hilfreich sind:

  • Kau- und Futterbeschäftigungen (zum Beispiel Schleckmatten)
  • ein fester Rückzugsort
  • klare Ruhezeiten

Wichtig: Ruheorte sind keine Strafinstrumente.

Pflege & Tierarzttraining: Früh übt sich

Pfoten kontrollieren, Ohren anschauen, bürsten, baden. All das darf dein Welpe in kleinen, positiven Schritten kennenlernen.

Kein „Da muss er durch“, sondern ein langsames Rantasten mit viel Belohnung und positiven Erfahrungen.

So legst du den Grundstein für stressfreie Tierarztbesuche und Pflege im Erwachsenenalter.

Alleine bleiben: Bitte nichts überstürzen

Welpen sind am Anfang selten gern allein. Schließlich kennen sie es ja auch noch gar nicht und es ist auch nicht natürlich für sie.
Sie brauchen Nähe, Orientierung und Körperkontakt.

In den ersten Wochen solltest du deinen Welpen möglichst nicht alleine lassen.
Gezieltes Training beginnt meist frühestens ab der 16.–17. Lebenswoche. Und auch das sehr individuell.

Mini-Trennungen im Alltag (zum Beispiel Toilettentür schließen, in einem anderen Raum sein, … ) sind okay, wenn dein Welpe sie stressfrei meistert.

Wenn du dir beim Thema Alleinebleiben mehr Sicherheit, einen klaren Aufbau und alltagstaugliche Schritte wünschst, findest du im eBook „Endlich sturmfrei“ eine ausführliche, welpengerechte Anleitung.

Dein Welpe darf Welpe sein

Ein guter Start ins Zusammenleben bedeutet nicht Perfektion.

Wenn du deinen Welpen mit Geduld unterstützt, statt ihn zu überfordern, legst du den Grundstein für einen entspannten, selbstbewussten Hund und eine starke Bindung zwischen euch.

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