5 Fehler, die du in der Welpenzeit unbedingt vermeiden solltest

Die Welpenzeit ist eine sehr wichtige Zeit, denn sie legt den Grundstein für das restliche Leben eines Hundes. Dementsprechend ist es wichtig, diese Zeit möglichst durchdacht anzugehen (wenn man die Möglichkeit hat und den Hund von Welpenbeinen an bei sich hat).

Keine Sorge: Niemand ist perfekt und kann wirklich alles immer und zu jeder Zeit richtig machen! Mach dir also keinen Stress, alleine dass du dir Gedanken machst, wie du deinen Hund am besten unterstützen kannst, zeigt, dass du auf dem richtigen Weg bist.

Dennoch gibt es 5 Fehler, die du meiner Erfahrung nach unbedingt vermeiden solltest, wenn du einen Welpen aufziehst und möchtest, dass er die nächsten hoffentlich 14, 16 oder sogar noch mehr Jahre, möglichst gut durchs Leben gehen kann.

1. Zu hohe Erwartungen

Ganz wichtig: Bitte schraube deine Erwartungen an deinen Welpen herunter! Er ist ein kleines Hundekind, dass sich überhaupt erst einmal in der Menschenwelt zurecht finden muss. Und sind wir uns mal ehrlich: Diese Welt empfinde ich als erwachsener Mensch oftmals schon als anstrengend, verrückt und auch mal gruselig – und so ein Welpe hat ein Hundehirn, dass erst ein paar Wochen alt ist… du kannst dir wohl denken, welche Herausforderung das ist!

Ich weiß, dass in den sozialen Medien viele Hunde sind, die mit wenigen Wochen angeblich „perfekt“ hören, gefühlt 3.718 Tricks können und natürlich schon stubenrein sind.

Aber glaube mir bitte zwei Dinge:

Erstens wird in den sozialen Medien immer nur das gezeigt, was man auch zeigen möchte. Und die wenigsten filmen sich dabei, wie sie nachts aufstehen und gleich mal in die, vielleicht sogar noch warme, Pfütze treten, die der tierische Mitbewohner am Boden hinterlassen hat. Und noch weniger teilt man sowas gerne im Internet oder erzählt bei der Familienfeier davon. Da zeigt man lieber die Tricks her, die der Welpe schon kann 😉

Zweitens gibt es in den ersten Wochen und Monaten weit Wichtigeres als (durchaus auch süße) Tricks! Wichtig ist vor allem in der ersten Zeit, dass dein Welpe lernt, dass er dir vertrauen kann und du für ihn da bist in dieser durchaus turbulenten Welt und er sorgenfrei entspannen kann.

Tricks und Signale (egal ob nur zum Spaß oder mit sinnvollen Nutzen dahinter) haben Zeit und können nach und nach erarbeitet werden.

2. Sozialisierung zum Wettbewerb machen

Gestern ein Spaziergang durch den Park, heute ein Ausflug zum Bahnhof, morgen ein Restaurantbesuch und übermorgen kommt die Tante mit ihren Kindern vorbei.

So sollte Sozialisierung nicht aussehen!

Es ist natürlich durchaus wichtig, dass junge Hunde verschiedene Reize aus der Menschenwelt kennenlernen. Aber eben langsam und durchdacht. Schritt für Schritt und im Tempo des Welpen.

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Wenn dein Welpe erst bei dir eingezogen ist, ist sowieso alles neu für ihn. Alles ist wahnsinnig aufregend für ihn! Zuallererst muss dein Hund in aller Ruhe in seinem neuen Zuhause ankommen, bevor der Rest der Welt erkundet werden kann.

Wenn die Außenwelt erkundet werden soll, dann setze unbedingt Prioritäten und führe deinen Welpen in kleinen Schritten an die Situationen ran, in die er in Zukunft auch kommen wird.

Qualität ist in der Zeit der Sozialisierung weit wichtiger als Quantität.

3. Keine Zeit zum Verarbeiten und Ruhen

Gerade in dieser ersten Zeit brauchen Hunde viel Ruhe, da es so viel zu verarbeiten gibt.

Die Faustregel besagt, dass Welpen eine Ruhezeit von 20 bis 22 Stunden täglich haben sollten. Das ist ganz schön viel und wenn ich meinen Kund*innen davon erzähle, schlagen die meisten die Hände über dem Kopf zusammen.

„Nie im Leben schläft mein Welpe so viel!“, höre ich dann immer. Aber keine Sorge, „Ruhezeit“ bedeutet nicht, dass der Hund so viel Schlaf braucht.

Die Ruhezeit setzt sich aus verschiedenen Ruhephasen zusammen:

  • Der Hund ist im Tiefschlaf.
  • Der Hund döst.
  • Der Hund legt sich hin und verschnauft.
  • Der Hund liegt entspannt und schaut einfach nur.

Beim Ausruhen müssen die Augen also nicht zwingend geschlossen sein. Die Tiefschlafphasen sind bei unseren Hunden aber genauso fest, wie bei uns Menschen und sollten, wenn möglich, nicht unterbrochen werden.

Wenn dein Welpe nicht einmal ansatzweise auf die Ruhezeit von 20 bis 22 Stunden pro Tag kommt, dann kann es gut sein, dass zu viel Trubel um den Hund herum ist und er gar nicht zur Ruhe kommen kann. Und das ist auf lange Sicht problematisch! Den Welpen „auszupowern“, wenn er sehr aktiv ist, kann genau das Gegenteil von dem bewirken was wir wollen: Der Hund wird immer aufgedrehter und kommt mit der Zeit immer schlechter zur Ruhe. Die Konzentrationsfähigkeit sinkt und auf Dauer nimmt auch der Körper schaden.

Sowohl der Körper, als auch die Psyche eines Welpen sind auf genügend Ruhe angewiesen!

Ruhe will gelernt sein – vor allem für reizoffene und sensible Hunde(-rassen) kann das eine große Herausforderung sein. Ruhetraining ist gerade im ersten Lebensjahr sehr wichtig und sinnvoll, um auch langfristig einen Hund zu haben, der gut zur Ruhe kommen kann und somit die Basis für eine gesunde Hundepsyche legt.

4. An das Märchen vom „Welpenschutz“ glauben

Immer noch kursiert das Märchen vom sogenannten „Welpenschutz“, das besagt, dass Welpen bei erwachsenen Hunden eine generelle Narrenfreiheit haben. Laut diesem Mythos würden Welpen weder attackiert und schon gar nicht von einem erwachsenem Artgenossen verletzt werden.

Kurz gesagt: Das ist absoluter Blödsinn. Im Zweifelsfall sogar lebensgefährlicher Blödsinn, der immer noch auf Hundewiesen und Co. verbreitet wird.

Natürlich gehen einige Hunde auch mit fremden Jungtieren sehr geduldig und liebevoll um. Allerdings gibt es genauso auch Hunde, die keinerlei Geduld mit Welpen haben oder sie sogar regelrecht hassen.

Innerhalb des eigenen Rudels haben die Hundekinder meist eine erhöhte Narrenfreiheit, aber auch innerhalb des Rudels gibt es keinen allgemeinen „Welpenschutz“.

(Ein Rudel ist ein Verband aus verwandten Tieren, der aus den Elterntieren und in der Regel ein bis zwei Generationen der Nachkommen. Fremde Hunde, die sich auf der Hundewiese treffen sind KEIN Rudel, auch wenn fälschlicherweise oft so genannt wird.)

Sind wir uns mal ganz ehrlich: Bei uns Menschen ist es doch auch nicht anders…

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5. Gut gemeinte Welpenspielgruppen

Wer mit seinem Welpen in eine Welpenspielgruppe geht, der meint es gut. Schließlich gehen Kinder ja auch in den Kindergarten und spielen am Spielplatz auch mal mit fremden Kindern und haben (zumindest meistens) viel Spaß dabei.

Nun ist es so, dass man Hunde in vielen Dingen mit Kindern vergleichen kann, aber in diesem Fall funktioniert der Vergleich leider nicht so gut.

In Welpenspielgruppen werden die verschiedensten Hunde, in oft viel zu großen Gruppen, mehr oder weniger wild zusammengewürfelt. Im Freilauf jagen sie sich gegenseitig und rollen miteinander über den Boden. Was vielleicht ganz lieb klingt, kann aber zu Problemen mit Artgenossen im Erwachsenenalter führen, denn zu oft steht Mobbing hinter dem vermeintlich „lieben“ Verhalten.

Hunde müssen erst lernen, wie man mit fremden Artgenossen umgeht.

Das benötigt Pausen zwischen den Spielsequenzen, Rückhalt und Schutz von der Bezugsperson und Anleitung von einer Person, die sich mit dem Verhalten und der Körpersprache von Hunden sehr gut auskennt. Das ist in einer klassischen Welpenspielstunde alles nicht gegeben.

Welpengruppenstunden (in denen maximal 4-6 Hunde sein sollten), in denen die Hundekinder (und deren Zweibeiner) erkunden und lernen dürfen, können durchaus wertvoll sein, wenn sie gut geführt sind. Dabei wird den Welpen auch mal die Möglichkeit gegeben, miteinander zu spielen. Aber nur in kurzen Sequenzen, mit ausgewählten Artgenossen (Größe, Charakter und Tagesverfassung muss passen, damit alle beteiligten Hunde auch einen Vorteil daraus ziehen können) und unter Begleitung von einer fachkundigen Person.

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4 Kommentare zu „5 Fehler, die du in der Welpenzeit unbedingt vermeiden solltest

  1. Meine Elfie ist ja nun schon einige Zeit aus dem Welpenalter raus, aber trotzdem fand ich deine 5 Tipps sehr informativ! Vor allem, was du zum Welpenschutz sagst! Dem habe ich nämlich nie getraut! Hier auf dem Dorf gibt es so viele Leute, die leinenlos mit ihren Hunden Gassi gehen und da ist der Schreck groß, wenn plötzlich ein viermal so großer Hund vor uns steht und bedrohlich knurrt! „Der macht nichts“ hört man dann immer wieder, aber man weiß ja nie, ne?

    Liebe Grüße
    Jana

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    1. Ja, die Sache mit den Tut-nix-Hunden ist immer so eine Sache, vor allem, wenn man den anderen Hund und den Besitzer gar nicht kennt.
      Vor allem zu Beginn ist es wichtig, dass möglichst nur gute Erfahrungen mit andern Hunden gesammelt werden, damit sich eine gute Grundlage bildet

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  2. Liebe Pia,

    unser Beagle ist mittlerweile ein alter Opa, aber ich weiß noch wie aufregend die Welpenzeit für uns war. Da waren wir super erleichtert, dass unser Tierarzt uns Tipps und eine Trainerin an die Hand gegeben hat.
    Deine Tipps sind klasse und ich bin froh, dass du mit der Mär vom Welpenschutz aufräumst. Der ist nämlich fast so gruselig wie die Aussage „Das machen sie untersich aus“.

    Liebe Grüße
    Mo

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  3. Ich möchte eines Tages unbedingt selbst wieder einen Hund haben. Ist deswegen sicher nicht schlecht, mich immer mal wieder auf den Laufenden zu halten, was das Thema Hund und Hunderziehung angeht.
    Besonders der Punkt mit viel Ruhe und Zeit zum Verarbeiten geben, finde ich ganz wichtig. Ist ja bei Babys im Endeffekt nicht anders.

    Danke für die tollen Tipps.

    LG,
    Vici

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